Laut gefühlt oder die Reise in mir oder in mich?
Unsere Innere Welt. Sie fasziniert. Soweit wir uns mit einer kindlich unbeschwerten Neugierde auf sie einlassen freilich.
Denn gehen wir - durch unsere Erfahrungen vorbelastet - mit unserer Inneren Welt um, so vermag sie uns gleichwohl zu ängstigen, gar zu bedrohen, nicht wahr?
Sobald wir uns beispielsweise durch tiefe Konzentrationsübungen aus der materiellen Welt ausloggen, entfleucht jene Objektbezogenheit, welche uns wie die Fliegen am Spinnennetz kleben lässt und die uns die Illusion des Schutzes vor Einsamkeit stiftet. Stimmen Sie mir zu?
Soweit Sie, verehrter Leser, diese beiden Schlussfolgerungen nachvollzogen haben, befinden Sie sich bereits im Schalensitz des Upperspace Shuttles. Freiwillig angeschnallt. Der Countdown läuft. Der Countdown zum Start in Ihre Innere Welt. Bereit für einen Erkundungsflug in die unendlichen Weiten Ihres Bewusstseins. In unbekanntes Terrain. In unerforschbare Höhen und Tiefen Ihres Geistes. In grenzenlose und unbegrenzbare Möglichkeiten. In Sphären, in denen selbst unsere Angst nicht mehr existieren kann. Zu schön, um wahr zu sein. Das sind doch mal wahrlich paradiesische Aussichten, denken Sie?
Ganz so simpel ist es aber doch nicht. Denn Sie haben selbstredend die Macht darüber, zu entscheiden, was Sie denken möchten. Jederzeit, immer. Allerdings auch immer wieder erneut. Wenn Sie also beispielsweise denken: Es übersteigt meinen Verstand, Phänomene wie Unendlichkeit und Ewigkeit jemals zu erfassen ... dann werden Sie nach den Gesetzmäßigkeiten der Resonanz und den Mechanismen der ´selbst erfüllenden Prophezeiung´ Recht behalten.
Nun gut, frage ich Sie, wie aber können Sie sich denn dann überhaupt erdreisten, irgendetwas für tatsächlich existent zu halten? Wo Sie bereits in Ihrem Wesen inhärenter Weise akzeptieren, dass Sie beträchtlichen Schranken Ihres Verstehens unterliegen?
Hmm, also doch alles hier nur ein Holodeck? Betrug im ganz großen Stil? Und wenn ich Betrug im ganz großen Stil sage, dann meine ich eine Form des Betruges, der in seiner Dreistigkeit und Kaltblütigkeit weit über den ganz normalen alltäglichen ethischen Wahnwitz aus Politik und Zeitgeschehen hinausgeht, vor dem Sie zuhause an Ihren Bildschirmen mittlerweile wohl nur noch lachen wollen, um ihn nicht als real gegeben akzeptieren zu müssen.
Sind wir Figuren in einem gigantischen Computerspiel von Aliens mit dem speziellen Kick, das den Figuren Bewusstsein gegeben ist? Matrix? Die Wissenschaft vermag Derartiges bislang nicht zu widerlegen. Doch unser Ego will wissen, dass das nicht wahr sein kann. Tja, nun ja.
Aber sei´s drum. Vielleicht lassen wir diese völlig unsinnigen Gedankenspielereien einstweilen oder reisen gegebenenfalls später noch einmal hierhin zurück. Wo immer das auch ist.
Dennoch, dieser Punkt mit dem Bewusstsein. Ja, der klingt außerordentlich anziehend. Wobei allzu ernst sollten wir uns angesichts unseres Nicht-Wissens und unserer Bedeutung innerhalb des Universums schließlich auch wieder nicht nehmen. Das empfahl ja schon Albert Einstein. Kennen Sie ihn? Ein überaus gescheiter Mensch, der mir auch auf anderen Gebieten, z.B. in der Physik, ziemlich bewandert gewesen scheint. Gleichwohl, wo kommt das Bewusstsein her und was ist es eigentlich? Ist es ein göttlicher Funke, vielleicht gar der gleiche, der das Universum in Schwingung und dauerhafte Expansion versetzte? Oder ist es eine zufällige evolutionäre Ergebenheit? Von außen eingebrachte Bestimmung zum Zwecke der humanen Selbsterkenntnis oder schlicht ein Ergebnis des Laufes der Zeit?
Immer wieder, wenn ich mich hierzu in mein zumeist geliebtes Philosophierstündchen begebe, frage ich mich, ob diese Überlegungen überhaupt irgendeinen Sinn machen oder ob ich mir nur mein überstrapaziertes Gehirn daran schön knusprig frittiere.
Ist der Glaube an einen übergeordneten Master Plan oder zumindest an irgendeine göttliche Existenz denn der einzige Menschentrost? Oder aber ist er nur ein logischer Kothaufen, in den unser Verstand über kurz oder lang hinein tapsen muss, soweit wir uns selbst keinen Agnostizismus, Ignostizismus oder Atheismus aufdoktriniert haben?
Und weshalb ist es derart schwierig, schlicht zu akzeptieren, dass wir nichts wissen? Warum sitzen diese verheerenden Scheuklappen nur so grauenhaft eng, dass ich sie nicht einmal wahrnehmen kann? Ich weiß nicht, dass ich nichts weiß das scheint mir jedenfalls die einzig schlüssige Konsequenz meines dies gerichteten Denkens zu sein. Denn wüsste ich, dass ich nichts weiß, wüsste ich ja doch nicht nichts, also etwas.
Ein Paradoxon?
Na, gewiss sind die augenblicklichen Ergüsse meines Denkens doch nichts weiter als die einsame Onanie meines Verstandes und klägliche Opfer der Logik.
Hoffnungsbefreite Passagiere an Bord eines sinkenden Schiffes ins Nirgendwo, jawohl, das sind wir doch. Gefangen in mühselig selbst gefertigten Kettenhemden von Konzepten. Oder doch nicht? Oder doch? Antworten hierauf werde ich nicht finden. Das haben ja schon die klügsten Köpfe der vergangenen Jahrhunderte nicht vermocht. Und auch ich habe mir das schon vor vielen Jahren abgeschminkt.
Und andererseits will mein Glaube nicht untergehen. Mein unbeirrbarer Glaube daran, dass das Universum ein Raum voller Möglichkeiten ist, was uns doch auch die moderne Quantentheorie vermittelt. Demzufolge müsste es zweifellos eine Methode geben, mich von diesen unsäglichen Konzepten zu lösen und den Urzweck der Menschengeschichte zu erfassen.
Ist das, was ich mir soeben zusammen reime denn nun Gottes Wille oder ist es Blasphemie? Zweifle ich gerade wieder? Oder schiebe ich ein Angstinstrument vor, um mich guten Gewissens nicht tiefer mit diesen Fragen beschäftigen zu müssen? - Okay, noch ein Anlauf. Jedoch scheint meine Intelligenz nicht ausreichend. Was liegt da bloß über ihr? Und warum?
Alleine die Sprache ist ein übel riechender Kerker. Eine Schublade für sich. Denn ich kann mit ihr nicht austreten aus dem Dunstkreis meiner Hirnwindungen, da sie mir in ihrer Unvollkommenheit in nahezu jedem Satz eine Zeit- und eine Raumorientierung vorschreibt. Von Zeit und Raum müsste ich mich aber zunächst friedvoll lösen, um am betörenden Duft von Ewigkeit und Unendlichkeit schnuppern zu können, nicht wahr? Demzufolge ist Schreiben also auch zwecklos. Vielleicht Askese? Jahrelange meditative Übungen in einem indischen Ashram? Ich weiß es nicht. Natürlich weiß ich es nicht.
Blicke ich in die Komplexität meines körperlichen Daseins und in meine totale Durchlässigkeit auf der Ebene meiner kleinsten Bestandteile, so drängt sich mir der Schluss auf, dass Erläuterungen über zufällige evolutionäre Begebenheiten in den Papierschredder gehören und schlichtweg alles bestimmt und transparent ist, genau wie ich selbst. Allzu gewaltig und übermächtig mutet mir das ungeheuer feine und komplexe Zusammenspiel von Trilliarden Teilchen vor, die letztlich mich ausmachen. Ebenso wie auch Sie, sehr verehrter Leser.
Das Ganze ist signifikanterweise aber einem Alterungsprozess und dem unweigerlichen Zerfall unterworfen. Der Tod. Das größte Tabu hiesiger Hemisphären. Game over? Knopf aus? Erde, Asche, Staub? Das war´s dann? Na, da möchte ich aber doch bis dahin noch reichlich von den schmackhaften Tropfen des Lebens kosten. Oder besteht doch der kleine Bruder der Verzweiflung - namens Hoffnung - auf einen Übergang in das Himmelsreich? Oder doch zumindest bitte Wiedergeburt? Na gut, ich lasse mit mir verhandeln. Also Wiedergeburt, selbst wenn ich mich nicht an mein Vorleben erinnern kann.
Doch gibt es ein noch größeres Wunder als unsere Komplexität. Die totale Reproduzierbarkeit durch einen schlichten sexuellen Akt, der darüber hinaus höchst lustvoll sein kann. Idealerweise durch die höchste unserer Emotionen gekürt, nämlich die Liebe. Ist sie vielleicht gar der Motor, der den Kosmos antreibt und um den es hier geht?
Und als ob das nicht schon fantastisch genug wäre, schlummert da noch im prachtvoll geblumten Haupthof des Lebens mein Selbstreflexions-Potential. Mein Bewusstsein. Etwas so unbegreiflich Geheimnisvolles, das vom physikalischen Standpunkt nicht auch nur annähernd greifbar wäre. Warum? Warum? Warum? Das Ganze muss doch irgendeinen Sinn machen. Daher also meine Alien-Theorie.
Mein Geist scheint mir überaus machtvoll und in seiner Beschaffenheit für eine Kontinuität über mein jetziges körperliches Dasein hinweg oder für eine ewige Existenz durchaus tauglich zu sein. Ich spüre außerdem, dass ihm das Vermögen zueigen ist, mit meiner Seele zu kommunizieren. Nämlich dadurch, dass ich den Dualismus in meinem Verstand überwinde. Gewiss ein erhellendes Ereignis.
Abermals erinnere ich mich in diesem Moment selbst daran, dass ich mir doch schon so oft die Frage mit Nein beantwortete. Die Frage, ob diese Fragen Sinn machen. Doch jenes Nein ist ebenso wie das Ja zweifelsohne auch nur ein vorgestelltes Konzept meines immens leidensfähigen Hirns. Eine Illusion. Eine Seifenblase. Also ist es vielleicht doch sinnvoll? Oder aber zerreißt mich gerade mein mehr oder minder natürlicher Hang, alles ständig bewerten zu müssen? Urteilsfalle? Oder Energiefelder von Steinen und Bäumen, die sich gerade in meine Gedanken hinein stören können, weil mir das Selbstvertrauen fehlt, sie mit aller notwendigen Konsequenz fortzusetzen?
Könnte ich davon nur ablassen. Loslassen, welch eine Tugend. Das brächte mich bedeutend weiter auf meinem Weg zur Erkenntnis. Aber was ich gerade vollziehe, ist Zukunftsdenken. Zukunftsdenken ist gleich Angst. Ha - da haben wir sie wieder. Zack und es hat mich erwischt. Wieder die Angst, welche mir wie ein dämonisches Ungeheuer in den Nacken beißt und sich an meinem Blut ergötzt. Was für ein Dilemma.
Und doch erklärt uns die moderne Hirnforschung, wir träfen unsere Entscheidungen, bevor wir uns dessen bewusst sind. Erstaunlich. Ließe diese Bewandnis den Schluss zu, wir seien doch nur Marionetten des großen Magneten?
Freier Wille, nicht mal darüber verfüge ich? Befinde ich mich also in einer wahrlich jämmerlichen Existenz? Oder kann ich doch erleichtert durchatmen, da ich nur ein medizinisches Problem habe? Leide ich lediglich unter dem Schläfenlappen-Persönlichkeitssyndrom, das mir stetig einsuggeriert, hinter allem stecke ein tieferer Sinn, ein göttlicher Plan? Kann alles sein, oder auch nicht, oder auch so ... tja, na ja.
Sind Sie, lieber Leser, nun auf brutale Weise verwirrt oder kommen Ihnen nur meine Gedanken wirr vor? Und ist das ein Unterschied? Wie auch immer, käme es darauf überhaupt an? Oder aber ist das vor Ihnen liegende Material eine bewusstseinserweiternde Schrift? Ich weiß es nicht. Natürlich nicht.
Die ungebundene Freiheit von Konzepten. Die beschauliche Losgelöstheit von zwanghaften Konditionierungen. Ohne Anhaftungen an irgendetwas oder irgendwen sein. Fernab von Selbstkasteiungen wie Überzeugungen und Abhängigkeiten. Ohne Angst leben. Das möchte ich gern.
Habe ich mir meine jungfräuliche Unverfälschtheit als Neugeborener nur aus dem Grund durch die Aneignung von Mustern verdorben, um dann wieder über die Erkenntnis des Dualismus irgendwann einmal meiner selbst wahrhaftig gewahr zu werden? Ich weiß es nicht, natürlich nicht.
Aber das Leben vorspulen und direkt zum Jackpot gehen? Welchen Umschlag hätten Sie denn gerne? Den mit der roten oder blauen Pille a la Matrix? Nein, das wäre zu schade um dieses beglückende Geschenk des Lebens. Im Moment leben? Jeden Augenblick auskosten? Ja, welch eine Tugend.
Die konventionelle Realität, diese weltliche Komponente unseres Daseins steht in einem so dermaßen krassen Gegensatz zu dem, was wir das ewig lodernde Licht nennen könnten. So krass, dass man es ja wohl unmöglich glauben kann, soweit man geistig noch auf der Höhe ist, oder? All jene Inszenierungen auf Erden, all dieses Marketing, all das nur bloßer Schein um das Sein? Nein, oder doch?
Und werfe ich einen Blick in die Welt so genannter spiritueller Menschen, die Mehrwert rund um mein persönliches Erwachen anbieten, so besteht die Gefahr, rasch von Scharlatanen umzingelt zu werden. Schnöder Mammon, kuckuck. Da ist er wieder. Selbst hier Masken. Und Masken, die über Masken gelegt werden. Das listige Gegenteil von einem Wir-Impuls hat schon seine kräftige Faust geballt und ich befinde mich gerade im Rückwärtstaumel durch den Ring. Die Koordination meiner Bewegungen hat mich längst verlassen. Fürchterlich schlechte Aussichten. Da ist sie wieder, die objektbezogene Welt.
Also mag doch jede Strategie von vornherein zum klaglosen Scheitern verurteilt sein? Wie soll ich bei dieser Überladenheit an Begierden und bei dieser Flut von Eindrücken die erlösende Leere jemals finden können?
Wie sollte ich mich jemals selbst finden und mein inneres Kind vom Müll befreien und in den Arm nehmen können? Sollte es letztlich denn etwa doch meiner eigenen Verantwortung zuzusprechen sein und das weiße Kaninchen krabbelt schon lange in mir selbst?
--ENDE oder auch so
Zum Wohl, Ihr Lieben

)))