|
ESOTERIK - Modetrend, Erklärungs-Chaos, Geheimlehre, New Age?
(Quelle: wikipedia.de)
Esoterik (von griechisch esoterikós, innerlich), ist, in der ursprünglichen Bedeutung des Begriffs, die Lehre oder Wissenschaft des Geheimen. Gegensatz: Exoterik (i.S.v. öffentlichem Wissen). Heute wird der Begriff Esoterik zumeist zusammenfassend für ein breites Spektrum verschiedenartiger Weltanschauungen gebraucht, welche die spirituelle Entwicklung des Individuums betonen, jedoch durch keine organisierte Religion oder religiöse Konfession im engeren Sinn als Glaube vertreten werden. Ein verwandter Sammelbegriff ist New Age.
Den sich teilweise deutlich unterscheidenden oder sogar widersprechenden Lehren, die unter den Begriff Esoterik fallen, ist gemeinsam, dass sie die Existenz von Phänomenen außerhalb des wissenschaftlich Messbaren postulieren und sowohl als auch konfessionell religiöse Betrachtungsweisen als nicht ausreichend ansehen, um die Welt vollständig erklären zu können.
Inhaltsverzeichnis
* 1 Wortbedeutung und Etymologie
* 2 Geschichte
* 3 Esoterische Weltanschauung
o 3.1 Verbreitung heute
* 4 Richtungen und Praktiken
* 5 Esoterik als Gegenstand wissenschaftlicher Forschung
* 6 Kritik
* 7 Quellen
* 8 Literatur
* 9 Siehe auch
* 10 Weblinks
___
Wortbedeutung und Etymologie
Wörtlich bedeutet der griechische Begriff mit dem Adjektiv das innere, innerliche, verborgene, geheime Wissen und zum inneren Kreis gehörig (esôteros das Innere). Das Wort Esoterik bezeichnet traditionell und nach seiner Etymologie demnach eine Geheimlehre, die nur Eingeweihten zugänglich gemacht wird (Arkanprinzip); im Gegensatz dazu bezeichnet der Begriff der Exoterik eine offene und für jeden zugängliche Lehre.
!!! - Im heutigen Sprachgebrauch wird die Bedeutung des Wortes aber meist übergangen, und das eigentlich Exoterische wird esoterisch genannt.- !!!
Esoteriker verstehen meist Esoterik als die auf das Innere bezogene Lehre, also auf seelische, spirituelle Ursachen.
Exoterisch sind nach dieser Deutung Betrachtungsweisen, die sich auf die fünf Sinne des Menschen und den Verstand konzentrieren und spirituelle Zusammenhänge eher verneinen.
Der Gebrauch des Substantivs Esoterik (frz. ésotérisme) ist historisch erstmals 1828 nachgewiesen[1].
Geschichte
Allgemein gilt Pythagoras (ca. 570 - 495 v. Chr.) und die von ihm in Crotone gegründete pythagoräische Bruderschaft, welche dem Schweigegelübte verbunden war, als erste historisch erfassbare Erscheinung der (europäischen) Esoterik. Ein weiterer Einfluss war das Verschmelzen der griechischen Philosophie mit der ägyptischen Religion und Magie nach der Eroberung Ägyptens durch Alexander dem Großen im Jahr 332 v. Chr. Aus dieser Verschmelzung entstand die Hermetik. Die mit der Esoterik assoziierten Praktiken aber lassen sich viel weiter in der Geschichte zurückverfolgen: so geht beispielsweise die Astrologie auf die mesopotamische Religion zurück und die älteste erhaltene Aufzeichnung der Planetenbahnen, die Venus-Tafel von Ammishaduqa, wird auf ca. 1650 v. Chr datiert. Der Gnostizismus, dessen genaue Ursprünge nicht eindeutig geklärt sind, jedoch zu Beginn der modernen Zeitrechnung in der ganzen antiken Welt zu finden ist und eine synkretische Synthese der Griechischen, zoroastrischen, jüdischen und frühchristlichen Weltanschauung bildet, gilt ebenfalls als wichtiges Standbein der Esoterik, und bis in die Renaissance hinein waren gnostische Sekten die wichtigsten Träger der esoterischen Lehren.
Im späten Mittelalter (12. und 13. Jahrhundert) wurde das mystische und esoterische Denken durch den Einfluss der Kabbala stark geprägt, welche sich, losgelöst vom Judentum, bald mit der hermetischen Weltanschauung verknüpfte.
In der Renaissance, in der man sich auf die Antike zurückbesann, erlebte auch die Esoterik einen Aufschwung. Die Rosenkreuzer traten in Erscheinung und lieferten die Grundlage für die späteren Logen und Initiationsorden. Mit dem Rosenkreuzertum wurde die Alchemie zur beherrschenden esoterischen Lehre. Auch der Tarot entstammt dieser Zeit. Die Renaissance war auch die Zeit, in der zum ersten Mal in großem Umfang esoterische Schriften veröffentlicht wurden. Viele Denker der Renaissance gelten noch heute als wichtige Quelle esoterischen Wissens, unter anderem Jakob Böhme, Heinrich Khunrath, Guillaume Postel, vor allem aber Paracelsus.
Das Zeitalter der Aufklärung war in der Esoterik geprägt durch das Ausbilden von Geheimen Bruderschaften, Orden und Logen, vor allem in Frankreich und England.
Im viktorianischen Zeitalter erlebten Okkultismus und verschiedenste Formen von Orakeln eine Blütezeit. Etwas gemäßigter war demgegenüber die Bewegung des Spiritualismus, die auch eine Brücke zu den fernöstlichen Religionen schlug.
In den letzten 150 Jahren hat sich die Esoterik inhaltlich zu einer Weltanschauung gewandelt, deren Anhänger sie oft als allumfassend, universalreligiös und als Vereinigung der inneren Lehren aller Religionen sehen (Theosophie, Neugeist-Bewegung). Seit den 1930er und in einer zweiten großen Welle seit den 1980er Jahren ist die Esoterik insbesondere im westlichen Kulturkreis zu einer Massenbewegung mit Breitenwirkung geworden, die viele, teilweise widersprüchliche, Teilströmungen umfasst.
Esoterische Weltanschauung
Da es sich, im Gegensatz zur Spiritualität, bei der Esoterik nicht unbedingt um ein persönliches religiöses Erleben handelt, sondern um eine Vielzahl einzelner Angebote und Wege zur Realisation einer individuellen religiösen Erfahrung, lässt sie sich kulturell und soziologisch nur sehr beschränkt festlegen.
Die traditionelle Aufteilung in eine öffentliche und eine geheime Lehre, wie sie zum Beispiel von den Rosenkreuzern praktiziert wird, gilt für die heutige Esoterik meist nicht mehr. Allerdings wird von vielen Esoterikern behauptet, man könne esoterische Lehren nur nach langjährigem Studium verstehen und beurteilen.
Verbreitung heute
Esoterik ist der Überbegriff für eine Reihe unterschiedlicher Lehren und Traditionen. Eine gewisse Bedeutung für die Entwicklung in der Nachkriegszeit hatte hier die Vereinigung OARCA (Omnia Arkana), die Zeitschrift esotera sowie die Veröffentlichungen der Psychotherapeuten Thorwald Dethlefsen und Rüdiger Dahlke. In der Schweiz üben das Medium Oskar Rudolf Schlag, der Ex-Pfarrer Hans-Dieter Leuenberger sowie die Zeitschrift Spuren mit dem Herausgeber Martin Frischknecht Einfluss aus. Esoterik ist nicht unbedingt deckungsgleich mit einer Parawissenschaft, da die verschiedenen Disziplinen üblicherweise keinen wissenschaftlichen Anspruch erheben (strenge experimentelle Richtlinien etc.) und nur über gewisse weltanschauliche Gemeinsamkeiten verfügen. Stoßen wir uns nicht an dem Wort »esoterisch«, das aus mancherlei Gründen einen Beigeschmack für uns bekommen hat; was von [Oskar] Adler damit angesprochen wird, ist die Fähigkeit des Menschen, auf dem Wege über die Verinnerlichung Einsichten in jene Zusammenhänge zu erlangen, Einsichten, aus denen wohl das Wissensgut der Astrologie ursprünglich stammt. [2]Einzelne esoterische Heilmethoden werden auch als Erfahrungswissenschaften bezeichnet. Gesondert, aber dem Begriffe nach inhaltlich und formell verbunden, wird in der Wissenschaft der esoterische Buddhismus (vgl. Buddhistisches Tantra) betrachtet.
Richtungen und Praktiken
Es gibt zahlreiche unterschiedliche Strömungen der heutigen Esoterik, die sich teilweise überlappen, teilweise nicht viel miteinander zu tun haben. Nicht alle von ihnen können vollständig zur Esoterik gerechnet werden. Die meisten esoterischen Richtungen betonen eine spirituelle Entwicklung des Menschen.
Esoterische Weltanschauungen beziehen sich meist auf fünf Bereiche:
- Praktische Entscheidungshilfen für die Lebensplanung, teilweise auch für Alltagsentscheidungen: In diesen Bereich fallen vor allem Techniken wie Astrologie, Tarot, Pendeln oder Handlesen.
- Selbsterkenntnis: Manche Anhänger der Esoterik versuchen, ihren Charakter und ihre Bedürfnisse mit Hilfe esoterischer Welterklärungskonzepte zu bestimmen, vor allem mittels der verschiedenen Varianten der Astrologie.
- Medizinische Hilfe: Mit Techniken der alternativen Medizin wird versucht, das körperliche und seelische Wohlbefinden zu verbessern, zum Beispiel mit Aromatherapie, Bach-Blütentherapie, Reiki, oder Homöopathie. Die Esoterik nimmt sich dabei vor allem Bereichen an, die die klassische Medizin nicht abdeckt (zum Beispiel Hilfe beim Wohlfühlen) oder in denen deren Erfolge als unzureichend empfunden werden, wie bei der Behandlung chronischer Schmerzen, aber auch bei akuten Krankheiten.
- Spirituelle Hilfe: Die meisten esoterischen Richtungen postulieren das Vorhandensein einer unsterblichen menschlichen Seele und befassen sich mit Wegen, deren Schicksal zu verbessern. Bei vielen dieser Richtungen kommen Konzepte indischer Religionen wie Karma und Reinkarnation vor. Häufig wird gelehrt, dass eine Reinigung oder eine Erleuchtung des Anhängers nötig sei, um in dieser Welt oder nach dem Tod einen besseren Zustand zu erreichen.
- Verbesserung der Welt insgesamt: Unter manchen esoterischen Richtungen ist die Ansicht verbreitet, dass man durch Verhalten entsprechend esoterischer Lehren die Welt insgesamt grundlegend verändern und somit verbessern könne. Solche Ansichten sind Grundlage der New Age-Bewegung, die ein neues Zeitalter, etwa das Wassermannzeitalter angebrochen sieht oder erwartet. Entsprechende Auffassungen vertritt beispielsweise Fritjof Capra.
Zu den esoterischen Richtungen und den zahlreichen Praktiken, die in der Esoterik aufgegriffen werden, gehören unter anderem:
* Alchemie
* Anthroposophie
* Astrologie
* Aura
* Energiekörper
* Feinstofflichkeit
* Geistheilen
* Geomantie
* Gnostizismus
* Kabbala
* Kartomantie
* Magie
* Medialität
* Metaphysik
* Metasinne
* Mystik
* Neopaganismus
* Neo-Feng-Shui
* New Age
* Okkultismus
* Parapsychologie
* Reiki
* Realitätsumschlag (reality shift)
* Satanismus
* Schamanismus und Neoschamanismus
* Spiritualität
* Spiritismus
* Sufismus
* Tantra und Neotantra
* Tarot
* Theosophie
* Yoga
* Zahlenmystik
Esoterik als Gegenstand wissenschaftlicher Forschung
Die Anfänge einer wissenschaftlichen Erforschung der Esoterik bestehen in Arbeiten christlicher, jüdischer und islamischer Religionswissenschaftler über abendländische Mystik und Gnosis. Bedeutende Vertreter dieser frühen Esoterikforschung waren Martin Buber (1878-1965), Gershom Scholem (1897-1982), Henry Corbin (1903-1978) und Mircea Eliade (1907-1986).
Ein erster spezieller Lehrstuhl für die Geschichte der christlichen Esoterik wurde 1965 an der Sorbonne in Paris eingerichtet (1979 umbenannt in Geschichte der esoterischen und mystischen Strömungen im neuzeitlichen und zeitgenössischen Europa). Seit 1999 gibt es in Amsterdam einen Lehrstuhl für die Geschichte der hermetischen Philosophie und verwandter Strömungen. Drittens wurde an der Universität von Exeter (England) ein Zentrum für Esoterikforschung eingerichtet. Der katholische Priester Michael Fuss leitet an der Päpstlichen Universität Angelicum in Rom den »Lehrstuhl für nichtkonventionelle Religionen und Spiritualitätsformen«.[3]
Kritik
Quellenangaben: Dieser Artikel oder Abschnitt ist nicht oder unzureichend durch Belege (Literatur, Webseiten usw.) abgesichert, wodurch den fraglichen Inhalten eine Löschung droht. Bitte hilf der Wikipedia, indem du gute Belege für die Informationen nennst.
In einigen Religionen, wie im Christentum[4], im Islam oder im Judentum, werden esoterische Ansichten vielfach als Irrglauben abgelehnt. Auch von verstandesbetonten Menschen mit naturwissenschaftlicher Überzeugung oder atheistischer Lebensauffassung wird die Esoterik als rückschrittlich und Irrtum kritisiert, den die Aufklärung und die Wissenschaft eigentlich schon überwunden hätten.
Vertreter der Esoterik weigern sich - anders als Wissenschaftler, die Modelle vertreten - ihre Hypothesen zu explizieren und überprüfbare Bedingungen zu nennen, bei deren Nachweis sie ihre Hypothesen für widerlegt betrachten. Es ist gerade das Charakteristikum von Esoterik, dass sie von Gegenständen handelt, die sich tatsächlich oder vermeintlich jeder Nachprüfbarkeit entziehen. In diesem Sinne ist Esoterik nicht deskriptiv, sondern präskriptiv, wobei ihr das Ziel der empirischen Verifizierung fehlt. Das unterscheidet Esoterik von wissenschaftlichen Hypothesen. Aufgrund dieser Struktur ist Esoterik leicht von erklärungsbezogenen Deutungsmustern abgrenzbar. Die Deutungsmuster der Esoterik sind nämlich nicht auf korrekturbasierte Weiterentwicklung hin angelegt.
Einige Kritiker, aber auch manche Esoteriker selber beklagen auch einen Supermarkt der Spiritualität:
Verschiedene, teils widersprüchliche spirituelle Traditionen, die über Jahrhunderte in unterschiedlichen Kulturen der Welt entstanden, würden in der Konsumgesellschaft zur Ware, wobei sich verschiedene Trends und Moden schnell abwechselten (gestern Yoga, heute Reiki, morgen Kabbala), und als Produkt auf dem Markt ihres eigentlichen Inhalts beraubt würden (Lifestyle). Dieser Umgang sei oberflächlich, reduziere Spiritualität auf Klischees und beraube sie ihres eigentlichen Sinns.
Trotz Berufung auf ein gemeinsames Urwissen werden einzelne Begriffe von einzelnen esoterischen Strömungen oft sehr unterschiedlich gebraucht. Einige Esoterikgegner kritisieren, dass Hilfs- und Beratungsangebote, die auf esoterischen Grundlagen beruhen, unrealistische Erwartungen wecken oder Versprechungen machen.
|